Die Wallfahrtskapelle Maria Lindenberg
Abt Ph. J. Steyrer auf den Stufen der
abgerissenen Kapelle auf dem Lindenberg.
(Gemälde von S. Göser um 1790)
Kaum ein anderes Bild verdeutlicht auf solch eindrucksvolle und tiefe Weise die Verbindung zwischen St. Peter und dem Wallfahrtsort Maria Lindenberg als dieses Gemälde, das vom Künstler S. Göser um 1790 gemalt wurde.
Es zeigt Abt Phillip Josef Steyrer auf den Stufen der abgerissenen Kapelle auf dem Lindenberg. Im Hintergrund ist das Kloster von St. Peter – sein Kloster - zu erkennen.
Man kann nur erahnen, mit welchen Gedanken und Gefühlen Abt Steyrer auf den Überresten der Wallfahrtskapelle saß, die er selbst mit Mitteln des Klosters von St. Peter erbauen und künstlerisch ausgestalten ließ. Und doch hatte er keine Wahl ! Auf Befehl und Anordnung durch den vorgesetzten Bischof , der einem kaiserlichen Dekret vom 30. September 1786 Folge leistete, wurde dem Kloster von St. Peter auferlegt, „mit dem Material, das durch den Abbruch der Wallfahrtskirche auf dem Lindenberg gewonnen werde“ in Eschbach eine Pfarrkirche bauen .
Sie spüren schon, es ist eine spannende Geschichte, die diesen für viele Menschen Heil bringenden Ort Maria Lindenberg umgibt !
Nähere Informationen zur Geschichte des Wallfahrtsortes erhalten Sie, wenn Sie auf den Button „Zur Geschichte“ klicken.
Maria Lindenberg verfügt auch über einen eigenen Internetseite. Diese erreichen Sie unter

www.haus-maria-lindenberg.de
Die Gottesdienst- und Andachtszeiten für Maria Lindenberg entnehmen Sie bitte dem jeweiligen Pfarrblatt von St. Peter . Dieses finden Sie unter der Rubrik Aktuelles zum downloaden.
Über die Ereignisse, welche der Wallfahrt den Ursprung gaben,
berichtet die dem Abt Ph.J.Steyrer 1741 noch vorgelegte Urkunde.
Pantaleon Mayer, ein begüteter Bauer im Unteribental, hatte vielfaches Unglück mit seinem Vieh. Er wandte alle erdenklichen Mittel an, um den großen Schaden von seinem Hofe abzuwenden. Doch umsonst. Endlich flehte er um Hilfe zum Himmel. Gedemütigt durch so auffallendes Unglück, erkannte er in demselben eine gerechte Züchtigung für seine Sünden und dachte darüber nach, durch welches gute Werk er die göttliche Gerechtigkeit versöhnen könnte. Unter solchen Gedanken schlief er einmal ein. Da kam es ihm vor, als höre er eine Stimme, die ihn aufforderte, zum Lob und Preis der allerseligsten Jungfrau auf seinem Gute eine Bildsäule zu errichten. Beim Erwachen fasste Pantaleon Mayer sofort den Entschluß, falls sein Vieh von der Seuche befreit werde, ein Denkmal zur Erinnerung an diese durch Mariens Fürbitte erwirkte Wohltat errichten zu lassen. Wirklich erlosch bald die Seuche im Stall, ohne irgend eine Spur zurückzulassen. Sofort ging der Bauer an die Erfüllung seines Gelübdes und schloß mit einem Zimmermann einen Akkord (Vertrag) über den zu errichtenden Bildstock. Der Handwerksmann aber verschob unter allerhand Vorwänden die Ausführung der Arbeit. Als eines Tages sein haus ein Raub der Flammen wurde, sah er in dem Unglück eine Strafe des Himmels für seine Zögerung, der Ehre der Gottesmutter zu dienen; er nahm sofort mit allem Eifer die Arbeit, zu der er sich schon längst verpflichtet hatte, in Angriff, vollendete sie aufs sorgfältigste und setzte die Bildsäule an den Platz, der ihm hierfür bezeichnet wurde. Von der Stunde an verspürte der Hofbauer Pantaleon Mayer in allen seinen Geschäften gar deutlich Gottes Segen.
Altes Bildstöckchen
auf dem Lindenberg um 1580.
Über das alte Bildstöckchen auf dem Wallfahrtsplatz wurde ein wissenschaftliches Gutachten eingeholt, das laut: "Nach der Jahresringfolge ist das Fälldatum des Eichenpfahles um 1580 einzuordnen. Da die äußeren Jahrringe nicht mehr klar zu erkennen sind, ergibt sich ein Fehler von etwas 3-10 Jahren"; vgl. Pfarrarchiv Eschbach. Dieses Bildstöckchen wurde nach dem Krieg im Gebüsch beim Frauenbrunnen gefunden und nach der Untersuchung zunächst vor dem Rathhaus in Unteribental aufgestellt. Am 15. August 1982 wurde es mit Genehmigung des Ortschaftsrates wieder auf den Lindenberg gebracht an seinen jetzigen Platz, wo vermutlich Panthaleon Mayer um 1500 sein erstes Bildstöckchen errichtete, an den Ursprung der Wallfahrt. Das jetzige Bildstöckchen am Frauenbrunnen stiftete das Math. Männerwerk Freiburg im Jahre 1968. Damals ließ die Gemeinde Unteribental auch die Quelle neu fassen.
Marienerscheinung am Frauenbrunnen
Das zweite Ereignis, das den Anstoß zum Bau der ersten Kapelle auf dem Lindenberg gab, ist folgendes: Pantaleon Mayer hatte einen Hirtenbuben. Dieser hütete eines Tages in der Nähe einer Quelle das Vieh. Auf dem Boden sitzend machte er sich eben daran, einige Haselnüsse aufzuschlagen. Zu seiner Enttäuschung waren die meisten entweder taub oder von Würmern
Zerfressen. Ärgerlich darüber brach er in Fluchen und Schwören aus und wollte die leeren Schalen zornig wegwerfen. Beim Ausholen mit dem Arme hatte er das Gefühl, als berühre er mit der Hand einen Menschen; erschrocken wandte er sich um und erblickte eine Frau von wunderbarer Schönheit, die ihn liebevoll anredete: "Gegrüßt seist du, Jüngling" ! Die Majestät der Frau, die so unverhofft erschien, sowie das böse Gewissen versetzten den Hirten in solchen Schrecken, dass er kein Wort hervorzubringen vermochte. Die erhabene Frau, ohne Zweifel die jungfräuliche Gottesmutter Maria, verwies ihm darauf in eindringlichem Ernste sein sündhaftes Fluchen über leblose Geschöpfe und sagte: "Wie du nichts auf diese Nüsse hältst, so bist du selbst auch nichts wert". Nach und nach erholte sich der Erschrockene und erwiderte schüchtern und ehrfurchtsvoll den Gruß der himmlischen Erscheinung: "Seid auch ihr gegrüßt"! Die heilige Jungfrau antwortete ihm: "Du hast recht getan, dass du mich gegrüßt hast; gehe hin und sage deinem Meister, es sei mein Wille, dass er mir eine Kapelle erbaue". Der Angeredete wollte sich der Erfüllung dieses Auftrages entziehen und entschuldigte sich mit den Worten: "Wie wird mein Meister ohne ein gewisses Zeichen an einen solchen Befehl glauben"? Die himmlische Jungfrau schnitt sofort diesen Vorwand ab mit der Erklärung:
„Du hättest um deines Fluches willen sterben sollen, ehe drei Tage um sind, jedoch will dich Gott noch verschonen; aber die drei reichsten Einwohner dieses Tales werden vor Ablauf eines Jahres sterben. Darauf verschwand die himmlische Erscheinung. Ihre Ankündigung aber erfüllte sich buchstäblich. Pantaleon Mayer zweifelte daraufhin nicht länger an der Wahrheit der übernatürlichen Erscheinung und am Willen der allerseligsten Jungfrau, eine Kapelle erbaut zu sehen. Er ließ deshalb vermutlich an dem ort, wo bisher das Bildstöckchen stand, eine hölzerne Kapelle bauen.
Zur Erinnerung an die Marienerscheinung stellte er das Bildstöckchen bei der Quelle unterhalb des Lindenbergs auf, die heute noch Frauenbrunnen heißt.
Marienerscheinung auf dem Lindenberg
Wie die Wallfahrt ihren Anfang nahm, schreibt Ph.J.Steyrer in seinem Buch Heilbringender Lindenbaum: "Als nun der neue Marianische Gnaden-Sitz, doch nur schlechter Ding von Holz und Brettern zusammen gefügt, auferbauet, und in vollkommenen Stand gesetzt worden, seynd vile Christen wegen der grossen Wunder und Zeichen, so allda geschehen, dem Allmächtigen Gott und seiner würdigsten Mutter zu Lob und Ehr, nach diesem Gnadenort auf den Lindenberg gewallfahrtet; also zwar, dass wegen Zulauff deß Volkes allda der Gottesdienst, auf Gutheissung Geistlicher Obrigkeit, gehalten worden, und von Tag zu Tag sambt der Andacht auch die Zahl der Wallfahrter merklich zugenommen".
So kam, wie in der alten Urkundschrift berichtet wird, eines Tages auch der alte Bauer Hans Zähringer vom Unteribental, insgemein der Blind Hanß genannt, auf den Lindenberg. Er wurde von der Frau seines Sohnes und deren Kindern übel behandelt. In seiner seelischen Not hoffte er von der Trösterin der Betrübten Hilfe zu erlangen. Nachdem er seine Andacht im Kirchlein verrichtet und sein trauervolles Herz vor der Himmelsmutter ausgeschüttet hatte, setzte er sich draußen im Freien auf die dort herumliegenden Zimmerspäne, um vor dem Heimgang etwas auszuruhen. Bald schlief er vor Müdigkeit ein. Da erschien eine wunderschöne Frau, ohne Zweifel die Mutter der Barmherzigkeit, weckte den Schlummernden durch sanfte Berührung, versicherte ihn ihres mütterlichen Mitleids und tröstete ihn durch die erwünschte Botschaft, sein Gebet sei von Gott erhört worden. Er werde von Gott und Maria nie verlassen werden, was immer auch für Widrigkeiten über ihn kommen mögen, sofern er ihnen zu Ehren täglich zehn Vaterunser und Gegrüßet seist du, Maria beten werde, solange er noch lebt. Danach nahm die "überirdische Matron" zwei Späne von dem umherliegenden Holze, um sie mit einem Gertlein zu einem Kreuz zusammenzubinden und sprach: "Nimm dieses Kreuz und bringe es dem Pantaleon Mayer. Sage ihm, er solle zu Ehren der Mutter Gottes die Kapelle erweitern und in vollkommeneren Stand setzen". Darauf verschwand sie und ward fernerhin nicht mehr gesehen.
Maria erscheint Hans Zähringer auf dem Lindenberg, Gemälde v. S. Göser in der Pfarrkirche Eschbach um 1790.
Über dieses Kreuz schreibt Ph.J. Steyrer im Jahre 1741: "Gedachtes Kreuz, da doch fast alles andere verloren gangen, wird noch bis auf heutigen Tag zur ewigen Gedächtnuß auf dem Linden-Berg auf- und in großer Hochachtung gehalten; aus welchem dessen beständige Verehrung, und frommer Christen ungemeine Sorgfalt vor diesen kostbaren Schatz genugsam erhellet. Es ist nit gar einen halben Finger lang, und eben so breit; das Holz ist vor Alter nit wohl zu erkennen. Der Trümmer, von welchem oben Meldung geschehen, und mit welchem das Kreuz zusammen gefügt, ist braunlicher Farb, und wie es scheinet aus Kamel-Haaren. Dieses Kreuz ist ferners gleich einem kostbaren Gnaden-Zeichen in Oval-Form und Silber sammt einem Christallenen Deckel eingefasset, hangend an einer silbernen von Kunstreicher alter Hand verfertigten Ketten. Auf einer Seiten deß Zeichens ist zu sehen eine Mutter-Gottes Bildnuß mit dem Griffel entworfen, welches wohl etwan mag eine wahre Abbildung der ersten Linden-Bergischen Gnaden-Bilds seyn. Dieses Kreuz können alle andächtige Pilger nach Verlangen sehen, und verehren".
Kreuzchen, das Maria Hans Zähringer um 1520 überreichte, Fassung um 1700.
Gott sei Dank ist dieses Kreuz bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben. Es hängt um den Hals des Jesuskindes an der Wallfahrtsmadonna.
Hans Zähringer indessen säumte nicht, seinen Auftrag auszurichten, und brachte dem Pantaleon Mayer dieses von der Muttergottes gefertigte Kreuz. Dieser freute sich über die Gabe und die Botschaft und erfüllte mit Freuden den Wunsch der allerseligsten Jungfrau, die Kapelle zu erweitern und in einen vollkommeneren Stand zu setzen. Das geschah wahrscheinlich noch vor dem Jahre 1525, und vermutlich wurde schon damals zum Bauplatz die Stelle gewählt, wo heute die Kapelle steht. Diese Begebenheit ließ Ph. J. Steyrer durch den Maler Göser an der Chorwand der Kirche in Eschbach abbilden.





